Inhalt anspringen

Kinderbibliothek Bergheim

Februar – Betrachtung eines Monats

Von Karla Beutel und Christa Wolf

Der Februar ist ein besonderer Monat. Nicht etwa, weil es der letzte Wintermonat 
oder der kürzeste im Jahr ist. Und auch nicht, weil er sich als einziger alle vier Jahre einen zusätzlichen Tag erschleicht. 

Er ist ein besonderer Monat, weil in ihm, wie in keinem anderen Monat im Jahr,
Gegensätze so präsent vereint sind. 

Am 14. Februar ist Valentinstag, der Tag, an dem Liebende sich finden, sich feiern und in der Konsequenz vielleicht neues, junges Leben entsteht. Leben, das es zu hegen und zu schützen gilt, von dem wir hoffen, dass ein kleiner Mensch in Ruhe behütet aufwachsen und erwachsen werden darf. 

Am 15. Februar ist Kinderkrebstag. Der Tag, der uns die Gewissheit nimmt, dass wir 
die, die wir lieben, vor bösartigen Krankheiten schützen können, der uns allen immer 
wieder verdeutlicht, dass der Kampf gegen diese Krankheit noch immer nicht 
gewonnen ist.

In keinem anderen Monat prallen Realität und Illusion so aufeinander wie im Karnevalsmonat Februar. 

Karneval, ursprünglich ein heidnisches Fest zur Vertreibung der bösen Wintergeister, 
mutiert zum großen Gleichmacher zwischen Herrschaft und Gesinde, gewandelt zum 
befreienden Mittel, sich unabhängig von Konventionen, ungefährdet über die 
Herrschenden lustig zu machen. Karneval, die Zeit, in der Menschen die Chance 
ergreifen, jemand anderer zu sein. In der Menschen sich verwandeln. Es ist die Zeit,
bürgerliche Enge und berufliche oder familiäre Zwänge hinter sich zu lassen, 
geheime Sehnsüchte zu leben und sich ungestraft der Anarchie hinzugeben, um 
dann – mitunter mit einem mächtigen, durchaus auch im übertragenen Sinne 
gemeinten – Kater in die Realität zurückzukehren. Vielleicht wird eine kleine 
Sehnsucht nicht mehr geheim bleiben, vielleicht kann sich etwas von der Freiheit der 
Anarchie in den Alltag retten, doch das Korsett der bürgerlichen Enge, die beruflichen oder familiären Zwänge zwicken wieder. 

Der Februar ist der Monat, in dem man, wie eine Freundin es mal ausdrückte, den
Winter noch spürt und den Frühling schon riecht. In keinem anderen Monat sind 
klirrende Kälte und frühlingshafte Wärme so nah beieinander. Trotz alledem ist es ein
Aufbruch in das Frühjahr, gepaart mit der Angst vor dem vernichtenden Frost. Im
Februar kann es vorkommen, dass sich heute die Schneeglöckchen durch die 
Schneedecke bohren und den Kampf zum Licht gewinnen, nur um sich am nächsten 
Tag den Elementen geschlagen geben zu müssen. Und doch kämpfen sie weiter –
und gewinnen. Deshalb ist der Februar auch der Monat der Hoffnung. Der Hoffnung,
auch ungleiche Kämpfe gewinnen, den Elementen trotzen und den Weg zum Licht finden zu können.

Wenn der Klimawandel die Kurven der Wetterextreme auch enger werden lässt, 
bleibt der Februar doch der Monat der Gewissheit, dass die Tag länger und die 
Nächte kürzer werden.

Und damit ist er der Monat des Aufbruchs und des Neuanfangs. Ein Monat, in dem 
alles möglich, nichts unmöglich scheint. Er ist der Monat der Wandlung, der 
Änderung, der Metamorphose, der uns Altbekanntes zurückbringt, aber auch zu 
Neuem führt, der neue Chancen und vielleicht neue Erkenntnisse bringt. Der Monat,
der uns, gestärkt durch Hoffnung, mutig aufbrechen und neue Anfänge wagen lässt, 
denen ja bekanntlich ein Zauber innewohnt. 

Doch kein Aufbruch ohne Abschied. Kein Abschied, ohne etwas zurückzulassen. Manchmal mit Bedauern, manchmal frohen Herzens, manchmal vorübergehend und manchmal für immer.

Die Christen sagen dem Fleisch adé (carne vale) und freuen sich auf den Messias. 
Wir alle sagen dem Winter adé und heißen den Frühling willkommen. Wir sagen der 
Kälte Tschüss und freuen uns auf die Sonne. Wir sagen dem bei uns vorherrschenden Einheitsgrau auf Wiedersehen und freuen uns auf die bunten Frühlingsblumen. Wir sagen der Stille in der Natur Lebewohl und horchen freudig auf jedes einzelne Vogelzwitschern. 

Und so ist der Februar auch der Monat, der wie kein anderer das Leben symbolisiert. 
Ein bisschen Wehmut, gespickt mit einem Hauch Abschiedsschmerz und ganz viel 
Hoffnung auf das bunte, sprießende Leben, das auf uns wartet.

Wie kann man es schöner ausdrücken als Ludwig Uhland:

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
man weiß nicht, was noch werden mag,
das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden!

Im Februar 2023

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Förderverein Stadtbibliothek Bergheim e.V.